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Als Literatin galt sie als uneingeschränkt beste Short-Story Autorin der Türkei - eine Gattung, die besondere Fähigkeiten verlangt. Sie hat Jahrzehntelang die enthu- siastische Literaturszene in Istanbul mitgestaltet, ihre Richtung mitbestimmt, und sie gehört nach ihrem Tod auch noch zu den wenigen, die eine anspruchsvolle junge Generation von türkischen Literaten zum Vorbild nimmt, so z.B. Mario Levi.
Tomris Uyar war eine der wenigen in der türkischen Literatur, die sich auch nach 1980 weltanschaulich treu geblieben waren... Auch künstlerisch hielt sie konsequent ihren Kurs und schrieb unverwechselbar. Ein Ausschnitt aus der Erzählung Herz in Fesseln ist eine Definition der künstlerischen Position der Autorin:
”Vielleicht habe ich die spannungsvolle Verantwortlichkeit der winzigen Nuancen durch jene Lieder, jene Filme begriffen, dass zwischen dem Banalen und Edlen, zwischen dem Vergänglichen und Ewigen nur eine Haaresbreite liegt. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum ich keine Romane schreibe. Man glaubt, dass der erste Roman in der Regel aus der eigenen Autobiographie schöpft. Ist die Autobiographie aber nicht lediglich ein winziger Ausgangspunkt, der Vergangenheit und Zukunft des Literaten lenkt? Wenn sie sich in die Länge zieht, wen interessiert das? Können wir das Leben an einem ausgesuchten Punkt anhalten, einfrieren, um uns selbst zu rechtfertigen oder zu quälen und zu zermürben? Selbstverständlich wird ein zweiter Roman nicht geschrieben, ohne dass ein erster geschrieben wurde. Dann also her mit den Erzählungen, der dauernden Dynamik...”
Den Text eines legendären Interviews mit den drei bekanntesten Dichtern der literarischen Bewegung Ikinci Yeni bringen wir in vollem Umfang im türkischen Original: zum Text
Wir veröffentliche einige Bilder, die Tomris Uyar in verschiedenen Phasen ihres Lebens zeigen. Zum Teil sind es privat entstandene Fotos, die ihre Persönlichkeit treu wieder- spiegeln.
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