Cemil Kavukçu:   Gamba

 Ein Alptraum aus seiner Kindheit tauchte urplötzlich wieder auf – ein Traum, den er vor langer Zeit geträumt hatte. Wann genau war das gewesen? Daran erinnerte er sich nicht mehr, aber es war viele Jahre her, in seiner Kindheit.

Was tut ein Mann, der so viele Jahre später mit einer Angst aus der Pubertät unerwartet konfrontiert wird? Ist so etwas eigentlich möglich? Asım wusste ganz genau, dass er sich auf eine solche Möglichkeit gefasst machen musste. Das war im Leben nun mal so. Es überraschte  ihn jedoch, dass er sich nach fünfundvierzig Jahren vor dieser Traumgestalt genauso fürchtete wie damals.

Er hatte während seiner Berufstätigkeit, als er im Gelände als Ingenieur und Geologe tätig war, oft unter dem nächtlichen Sternenhimmel gesessen. Aber der flimmernde Himmel war ihm nie so beeindruckend vorgekommen wie heute. Alle Lebewesen der Welt – bis auf wenige Insekten, die in der Dunkelheit und Stille herumsurrten sowie ein paar Nachtvögeln, deren Unheil verkündende Stimmen von Zeit zu Zeit zu hören waren – schliefen tief. Es war immer leidvoll aus einem Albtraum zu erwachen, aber im Wald bei einer solchen nächtlichen Ruhe zu sitzen und eine Zigarette zu rauchen war etwas unvergleichlich Schönes, etwas, was man nicht so oft erlebte. Das waren surrealistische Momente, die er nur mit Geschöpfe, die die friedliche Nachtruhe im Wald zu schätzen wussten, teilte. Die Rufe und Gesänge der Geschöpfe der Nacht machten nicht nur die Nacht geheimnisvoll, sondern fügten auch dem Raum eine surrealistische Dimension hinzu. Der Alltag mit seinen Problemen, Verantwortlichkeiten, Sorgen und Zukunftsängsten, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Sorgen, die Nachrichten, Zeitungen, Terror und Krieg – alles wurde von der Nacht verhüllt. Und diese zauberhafte Hülle wurde von einem Stimmengewirr unwirklicher, körperloser, fantastischer Wesen, die man mit bloßem Auge nie zu sehen bekam, intensiviert.

 
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Türkische LIteratur: Cemil Kavukcu, Gamba