Bin ich ein Mörder? Habe ich sie wirklich ermordet, oder bilde ich mir das nur ein? Bin ich ein Spielverderber - oder immer noch Teil eines Spiels? Hat dieses Spiel etwa schon in jenem alten Garten am Ufer jenes anderen Meeres begonnen? Und ging es dort bereits zu Ende? War ich ihre Traumgestalt, oder sie meine? Kann ich Wirklichkeit werden, ohne dass sie stirbt? Aber wenn ich sie nicht getötet habe, wie kann ich dann weiterleben? Und wenn doch, habe ich dann das Recht zu leben?

Ich saß auf dem Balkon, mit Blick aufs Meer und nippte an meinem Whiskey. Hätte mich jemand beobachtet, könnte er denken, dass ich, wie immer, meiner behaglichen Schweigsamkeit frönte. In Wirklichkeit strudelte ich haltlos in einer uferlosen Leere herum, als hätte mich jemand aus einem Raumschiff ins All hinaus gestoßen. Nicht ich, sondern die Kräfte des Universums bestimmten meine Flugrichtung. Ich war in meinem bisherigen Leben noch nie in eine derartige innere Leere gefallen, hatte noch nie ein so intensives Gefühl von Öde empfunden. Dennoch ließ mich meine Gedankenflut nicht los: Ich bin sonst nicht jemand, der im Leben keinen Halt findet, aber jetzt … Ob ich die Chance habe, die Kontrolle über mein Leben wiederzugewinnen? Was wäre, wenn ich ganz von vorne beginne? Aber wo genau ist der Anfang? Ich könnte bis in die Zeit zurückkehren, als noch nichts geschehen war … - als ich noch nicht wusste, was passieren würde? Ob ich etwas entdecken könnte, was diese entsetzliche Leere beendete, wenn ich die ganze Geschichte mir selbst noch einmal erzählte? Oder würde sich meine Welt noch mehr verfinstern? Würde ich in einen noch tieferen Abgrund stürzen? Würde es mich befreien, die Ereignisse aufzuschreiben und dabei zu reflektieren, was geschehen war, oder würde dies zu einer noch schlimmeren Depression führen? Könnte ich mich am Schreiben festhalten - trotz allem und von Neuem?

 

 

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Türkische LIteratur: Pinar Kür Mordsfakultät