

In den USA eine Kultautorin
In Deutschland debütierte Elif Shafak mit einem historischen Roman im Literaturca Verlag im Jahre 2004.
1971 in Straßburg geboren, wuchs Elif Shafak als Tochter einer türkischen Diplomatin in der Türkei, aber auch in Spanien und Frankreich auf. Diese Tatsache ermöglicht ihr heute einen distanzierten und kühlen Blick auf die Türkei. So kann sie die türkische Literatur mit den Maßstäben kritischer Europäer werten und ihre eigene Position klar abgrenzen.
In der Türkei wurde sie sehr schnell zu Bestsellerautorin und zu einem gefeierten Star und galt als eine junge Autorin, die die verschütteten traditionellen, historisch-kulturellen und religiösen - also die islamischen - Werte des Landes mit einem neuen Verständnis zutage fördert. So wurde sie von der religiös-konservativen Mewlana Gesellschaft für ihren Debütroman Pinhan ausgezeichnet - ein einmaliges Ereignis in der türkischen Literaturgeschichte.
Heute ist Elif Shafak eine weltweit gefeierte Autorin.
In der Türkei war sie zunächst Kultautorin einer konservativen Leserschaft, denn Shafak behandelt damals wie heute vorwiegend historische und islamisch-mystische Themen. Und heute noch fühlt sie sich dem Sufismus, der islamischen Mystik, sehr nahe. Von manchen türkischen Kritikern wurde insbesondere ihre Sprache hervorgehoben, die dezidiert auf veraltete, nicht mehr oder sehr selten verwendete Ausdrücke aus osmanischer Zeit zurückgreift.
Elif Shafak hat inzwischen ihren Platz in der westlichen Medienwelt in nur wenigen Jahren gesichert und ist sogar in Deutschland eine begehrte Expertin in politischen Fragen geworden, daneben Kolumnistin und häufiger Gast bei internationalen Veranstaltungen.
In nur wenigen Jahren hat Elif Shafak neben ihren zahlreichen Romanen auch Dutzende wissenschaftliche Werke publiziert, ihre Erzählungen und ihre Romane hat sie im Jahresrhythmus publiziert. Sie schreibt auch regelmäßig für über zehn amerikanische, türkische und deutsche Zeitschriften und Zeitungen jeden Couleurs - Kolumnen, Artikel und Abhandlungen -, hält Lesungen, Vorträge und Seminare an verschie-
denen Orten der Welt, sie war Stipendiatin renommierter Universitäten (z. B. MIT) und Organisationen, wurde 2004 promoviert und ist zurzeit Professorin an der neugegründeten Orientalistischen Fakultät an der Universität Arizona, wo sie Forscherin und Lehrkraft ist, außerdem an einer Privatuniversität in Istanbul. Sie ist zugleich Mutter von zwei Kinder. Mit 40 Jahren blickt sie bereits auf eine beispiellose Weltkarriere zurück und es scheint, dass sie noch viel von sich reden machen wird.



Ihre Themen kreisen um aktuelle Identitätskrisen, nicht nur von “€žMigranten”: Von der Ausgrenzung als Minderheit - zum Beispiel als Jude in Europa - bis zu den Persönlichkeitsstörungen, die Auswanderer erleiden - da sind türkische Arbeiter in Deutschland oder ausländische Intellektuelle in den USA beinahe gleichgestellt. Ihre Suche und ihre Antworten legen eine uralte Problematik neu auf und werden jetzt im deutschen Sprachraum als Erkenntnisse einer betroffenen Intellektuellen in den USA wahrgenommen.Â
Im ihrem packenden Roman Spiegel der Stadt, (erschienen 2004, 365 S.) wird das Schicksal einer Converso-Familie (zum Christentum konvertierte jüdische Familie) erzählt, die aus den Fängen der spanischen Inquisition entkommt und ins Osmanische Reich flüchtet, wo sie in der Sephardengemeinde (jüdische Gemeinde der aus Spanien und Portugal geflüchteten Juden) Aufnahme findet.
Spiegel der Stadt ist einer der überaus seltenen literarischen Dokumente einer historischen Realität - der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal und ihrer Aufnahme im Osmanischen Reich, wo sie durch ein Dekret Soderrechte erhalten haben -, über die in Europa nur wenig bekannt ist. Durch die spannende Erzählweise von Elif Shafak wird die menschliche Dimension einer dramatischen Zeit der europäischen Ge-
schichte unmittelbar und dennoch poetisch nachvollziehbar.
Lesen Sie bitte auch das Nachwort zu “Spiegel der Stadt” hier