RECAIZADE MAHMUT EKREM

ARCHITEKT DER NEUEN LITERATUR - RECAIZADE MAHMUT EKREM
(1847 - 1914, auf dem Bild rechts)
Er galt als einer der führenden Geister, nicht nur durch eigene dichterische Werke, sondern auch als erster Li-
teraturkritiker. Sein Leben verlief in geordneten Bah-
nen, zunächst als Beamter. Später, als Lehrer an der Mülkiye und Galatasaray Lisesi, verfaßte er seinen Unterrichtsstoff selbst und leistete eine systematische literaturwissenschaftliche Arbeit, die nachfolgenden Generationen zugute kam. Der Öffentlichkeit bekannt wurde er allgemein als Dichter und Romanautor. Er schrieb Gedichte, Dramas und Romane, galt sogar als bester Poet seiner Zeit, beschäftigte sich intensiv mit europäischen Literaturtheorien und war ein einfluß-
nehmender, bestimmender Literat seiner Zeit. Auf dem Bild ist er zusammen mit dem berühmten ormanischen Maler Osman Hamdi abgebildet.

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RECAIZADE MAHMUT EKREM: MENTOR DER MODERNE

Aus der Feder des berühmten deutschen Orientalisten Otto Spies stammt folgende Beschreibung:
“Diese literarischen Theorien, durch die erst die neuen von SINASI und KEMAL geschaffenen Kunstformen verständlich wurden, blieben lange Zeit grundlegend; sie sind in Ta´lim-i edebiyat "Literatur-Unterricht" und Taqdir-i elhan "Bestimmung der Melodien" niedergelegt.
Das erste Werk, das aus den Vorlesungen an der Mülkiye entstanden ist, ist recht eigentlich das erste Werk der türkischen Poetik. Durch diese Werke und seine Tätigkeit als Lehrer der Literatur an der Mülkiye hat er nachhaltigen Einfluß auf die Jugend und die Entwicklung der Literatur ausgeübt. Daher erhielt er den Beinamen Üstad "Meister, Lehrer"." (Otto Spies)

 Wie die meisten Literaten dieser Zeit, gehörte Ekrem zu den Kreis des Hofes; sein Vater war an der (kurzlebigen) Akademie der Wissenschaften tätig, er selbst bereits mit 15 Jahren Beamter im Außenministerium, später in verschiedenen Sparten. In der Kanzlei lernte er Namik Kemal und weitere berühmte Persönlichkeiten der Zeit kennen und war mit den meisten eng befreundet. Er war es, der nach Sinasi und Namik Kemal, die "Jungtürken"-Zeitung Tasvir-i Efkar (Schilderer der Ideen) übernahm und damit jahrelang Literatur und Politik gleichzeitig betrieb. Später scheint diese Verbindung in den Hintergrund zu treten oder nur noch versteckt vorhanden zu sein, und gegen die Verbannung Namik Kemals protestierte er lediglich mittelbar, mit der Übersetzung des Werkes Mes Prisons.

Ekrem gründete nicht nur die berühmte Zeitschrift Servet-i Fünun, sondern versammelte um sie  stets junge und arrivierte, gute Literaten. Es ist bekannt, daß er dabei Qualität als höchsten Maßstab setzte und sogar seinen Sohn von der Leitung abberief. Der berühmte Dichter Tevfik Fikret, der eine Zeit lang die literarische Leitung innehatte, war am Galatasaray-Gymnasium Schüler Ekrems. Intensive Förderung der türkischen Literatur und ganzer Generationen von Literaten wurde durch die Zeitschrift Servet-i Fünun (Reichtum der Wissenschaften) erreicht, die Ekrem ins Leben rief. Die Großzügigkeit, mit der er aus dem Hintergrund die Geschicke einer anspruchsvollen Literatur pflegte und lenkte, ist weniger bekannt, dabei kann er uneingeschränkt als der Initiator und Mentor des literarischen Gipfelsturmes bezeichnet werden.

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