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Tomris Uyar war eine der wenigen Repräsentanten der türkischen Literatur, die sich weltanschaulich treu geblieben sind... Ein Ausschnitt aus der Erzählung Herz in Fesseln ist geradezu eine Definition der künstlerischen Position der Autorin: ”Vielleicht habe ich die spannungsvolle Verantwortlichkeit der
winzigen Nuancen
durch jene Lieder, jene Filme begriffen, dass zwischen dem Banalen und Edlen, zwischen dem Vergänglichen und Ewigen nur eine Haaresbreite liegt. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum ich keine Romane schreibe. Man glaubt, dass der erste Roman in der Regel aus der eigenen Autobiographie schöpft. Ist die Autobiographie aber nicht lediglich ein winziger Ausgangspunkt, der Vergangenheit und Zukunft des Literaten lenkt? Wenn sie sich in die Länge zieht, wen interessiert das? Können wir das Leben an einem ausgesuchten Punkt anhalten, einfrieren, um uns selbst zu rechtfertigen oder zu quälen und zu zermürben? Selbstverständlich wird ein zweiter Roman nicht geschrieben, ohne dass ein erster geschrieben wurde. Dann also her mit den Erzählungen, der dauernden Dynamik...”
Das literarische Credo der Künstlerin: Zu der weltanschaulichen und literarischen "Heimat" der Autorin zählen in erster Linie Existentialismus und Surrealismus. Literaten wie Poe, Kafka, Faulkner,
F. C. Scott, Borges, Ingeborg Bachmann und ganz besonders Virginia Woolf sind ihre Vorbilder. In der Türkei selbst war sie Mitglied einer Literatengruppe, die angetreten war, um die türkische Dichtung zu
revolutionieren. Bis heute sind Dichter wie Cemal Süreya, Edip Cansever und Turgut Uyar so beliebt, dass viele junge Menschen ihre Gedichte auswendig können, noch heute ist die Gruppe ein poetisches Ereignis: Ikinci
Yeni (Die Zweite Neue).
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