Tuerkische Literatur - Literaturca Verlag
TOMRIS UYAR

„Azala azala yaşıyoruz“

Am 4. Juli 2003 ist Tomris Uyar nach langer, schwerer Krankheit in Istanbul gestorben.

Die Literatur verliert eine hervorragende Autorin von Weltniveau, wir alle, die sie kannten und liebten, verlieren einen Menschen von unvergleichlicher emotionaler  Tiefe und Nähe.
In einem Interview formulierte sie vor einigen Jahren ein Phänomen, das wir heute intensiver denn je erleben: wir verzichten in unserem Leben auf immer mehr menschliche Qualität, reduzieren unsere geistigen und emotionalen Ansprüche auf die Koordinaten einer mehr als zweifelhaften, marktbestimmten, neuen Gesellschaft:
„Azala azala yaşıyoruz“.


Wir beginnen mit der Veröffentlichichung von Materialien von und über die Autorin, zeigen private und bereits in den Medien veröffentlichte
Bilder, in denen ihr Leben sichtbar wird. Wir verstehen diese Veröffentlichungen  als eine Hommage an die Künstlerin, die wir nicht der Vergessenheit überlassen wollen.

Bild

1941 in Istanbul geboren, stammte Tomris Uyar aus einer alteingesessenen Familie aus Thessaloniki, die seit drei Generationen aktiv für die Gründung, Modernisierung und  Europäisierung der Türkei eingetreten war, dafür wortwörtlich gekämpft hat. Tomris Uyar selbst gehörte zu einer Generation, die gegen den Vietnam-Krieg demonstriert hatte und die für eine weltweite Demokratisierung der gesellschaftlichen Strukturen, für eine wahrhafte Gleichbehandlung der Menschen in vielerlei Form eingetreten war. Sie war jahrzehntelang politisch aktiv, sowohl als Kriegsgegnerin, als auch für die Emanzipation der Frau. Als Literatin galt sie als beste Short-Story Autorin der Türkei - eine Gattung, die besondere Fähigkeiten verlangt. Sie hat Jahrzehntelang die enthusiastische Literaturszene in Istanbul mitgestaltet, ihre Richtung mitbestimmt, heute noch ist sie eine der Wenigen, die eine anspruchsvolle junge Generation von Schriftstellern zum Vorbild nimmt, so z.B. Mario Levi.

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Tomris Uyar war eine wahre Institution. Sie war mitbestimmende Kraft eines unvergesslichen Teils der türkischen Literaturszene, uneigennützige Mentorin vieler junger Talente, geliebte Muse mehrerer Dichter, Inspirationsquelle für Musik und Songtexte. Am intensivsten beeinflusste sie die Dichtergruppe der Ikinci Yeni, allen voran Cemal Süreya, Edip Cansever und Turgut Uyar. Der folgende Interviewtext gibt einen charakteristischen Einblick in diese Rolle Tomris Uyars, die das Gespräch mit den drei Dichtern 1983 in der Redaktion der Literaturzeitschrift VARLIK führte.

    Yaş ve Şiir Üstüne Söyleşi

  1. Açık Oturum
     
  2. Katılanlar:
  3. Edip Cansever (EC)
    Cemal Süreya (CS)
    Turgut Uyar (TU)
     
  4. Sorular: Tomris Uyar

    Tomris Uyar : Konuya şöyle girelim isterseniz. Bir süre önce üçünüz de geniÅŸ yankılar uyandıran ÅŸiir yazıları yazıyordunuz. Aklıma ilk gelenler,  Edip Cansever'in "Mısra İşlevini Yitirdi", Cemal Süreya'nın "Folklor Åžiire Düşman",  Turgut Uyar'ın "Çıkmazın GüzelliÄŸi" baÅŸlıklı yazıları. Bunlar o kadar çok yankı yaptı ki, kendileri fikir üretmeyen birtakım eleÅŸtirmenler, bu yazılardaki sloganlarla uzun sire geçinebildi. Bugünse, Cemal Süreya dışında ÅŸiir üstüne yazan yok içinizde, Cemal de genel olarak edebiyat üstüne yazıyor zaten, özellikle ÅŸiir üstüne deÄŸil. Bunun nedenlerini nasıl saptayabiliriz,  dersiniz? 
    (
    weiter)

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