DAS REFORMZEITALTER

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Er gilt als der geistige Vater der Reformen von 1839:
MUSTAFA RESCHIT PASCHA (Bild)
Ideen der Französischen Revolution faszinier-
ten den jungen Sultan Abdülmecit und den Großwesir Reschit Pascha. Die Regelungen in dem Reform-Paket, in dem sie diese umzu-
setzen begonnen hatten, waren ein überaus wichtiger Schritt in Richtung Europa und leite-
ten die Abkehr von der traditionellen Haltung des Osmanischen Reiches ein, wie Tanpinar es ausdrückt, traten die Türken aus der einen Zivilisation heraus und in eine andere, in die europäische, bewusst hinein.

Helmuth von Moltke, der zu Zeiten Reschit Paschas im Osmanischen Reich als militärischer Berater tätig war, berichtete viel interessantes über diesen Großwesir, dem- gegenüber er offenbar Sympathien hegte. In Moltkes Buch Unter dem Halbmond widmet er sich dem Großwesir Reschit Pascha, den er wohl auch unterstützt hatte, er beschreibt auch dessen Feinde: fundamentalistische Wesire und rückständige Gruppen am Sultanshof.
Über Reschit Pascha, der häufig unter dem Namen Koca Reschit Pascha (der große Reschit Pascha) genannt wird, wird Interessantes berichtet. Bereits unter Sultan Mahmut II. (1808-1839) erlangte er ein ungewöhnliches, geradezu geniales staatsmännisches Format. Während er in London und Paris Botschafter war, lernte er Europa durch längere Aufenthalte kennen, sah aber auch, wie zerbrechlich das Osmanische Reich geworden ist. Ihm ist es zu verdanken, dass das Reich noch einige Kriege und Krisen überlebt hat. Er hat die Integration europäischer Flüchtlinge, die Organisierung der Jungtürken, ihre Zuflucht in Paris in die Wege geleitet und damit die Richtung des Osmanischen Reiches besiegelt. Er regelte viele Staatsakte lange vorausschauend, wie ein exzellenter Schachspieler.

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Es gab viele, die Koca Reschit Pascha in seinen politischen Ambitionen und Regierungsaufgaben unterstützt hatten, so auch der Großbankier Kamondo, in dessen Haus er während eines Besuches gestorben ist.
Kamondo, der in Istanbul, im Stadtteil Galata residierte, spielte im Finanzleben des Osmanischen Reiches eine wichtige Rolle. Die Familie war durch die europäische Lebensweise sehr bekannt. Die Kamondo-Damen waren in Beyoglu und Galata durch ihre modische Erscheinung berühmt. Nichtsdestotrotz tauschte die Familie Kamondo das Leben in der Türkei gegen ein Leben in Paris ein und wanderte 1870 aus. Allerdings ließ sich Kamondo in Istanbul begraben (1873). Das Haus der Kamondo´s in Paris (unter dem Namen Camondo) ist heute ein Museum, auf dessen Eingang ein Schild darauf hinweist, daß alle Nachkommen in Auschwitz ausgerottet wurden.
(Yetkin, Cetin: Türkiye´nin Devlet Yasaminda Yahudiler, Istanbul 1992, S. 114-117)
Das Bild zeigt das ehemalige Haus der Familie Kamondo in Istanbul. Heute ist es ein Hotel: Galata Residence Apart Hotel.
Bild von
Abraham Camondo

Der 16 jährige Sultan Abdülmecit (1839-1861) trat ein schweres Erbe an: Noch war der Weg in die tradi-
tionelle Regierungsform der Osmanen offen. Doch er beauftragte Mustafa Reschit Pascha mit der Ausarbeitung der Refor-
men. Abdülmecit galt als europaorientiert, gerade-
zu begeistert. Bekannt sind nicht nur seine Vor-
liebe für die französische Kultur, sondern auch sein Reformierungswille. Er hatte derentwillen auf einen Teil der Macht verzichtet
.

abdulmecit

Der Reformerlass - Tanzimat Fermani - war ein erstes Grund-
gesetz nach europäischem Beispiel, das Vorschriften zu Zivilrecht, Bürger- und Vermö-
gensschutz und den Einbe-
rufungsmodalitäten enthielt. Diese waren über Jahrhunderte im Osmanischen Reich sehr eigentümlich. Diese Regelungen waren ein überaus wichtiger und entschlossener Schritt in Richtung Europa und leiteten die Abkehr von der traditionellen Haltung des Osmanischen Reiches - wie der Literat Tanpinar es ausdrückt - traten die Türken aus dem Kreis der einen Zivilisation heraus und in den Wirkungskreis einer anderen gezielt und bewusst ein.

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