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Ein Dichter des Lebens Demir Özlü, der mit Deutschland aufs Engste verbunden ist und sich bereits mehrfach als literarischer Gast hierzulande aufgehalten hat, ist ein Dichter der Großstadt, allen
voran Istanbuls. Seine melancholischen, doch keineswegs pessimistischen Texte sind Ergebnisse seiner existentialistischen Weltbetrachtung, mitunter surrealistisch durchwirkt, führen von der Oberfläche banalster Momente in
denkerische und sensitive Tiefen, verleihen winzigen Alltagsszenen Würde und Dimension, lenken den Blick auf Menschen im Schatten des sorglos wirkenden Grostadttreibens. Welche Einstellung zum Leben muss man haben, um Zeuge
schmerzlichster Tragik zu sein und dennoch am Leben zu glauben, die Liebe unermüdlich zu suchen, nicht aufzugeben. Verarbeitet der Literat Demir Özlü, was dem Rechtsanwalt Demir Özlü politisch widerfuhr? Ist Literatur manchmal
doch Alternative zur Wirklichkeit? - Demir Özlü ist kein weltfremder Prophet, im Gegenteil, seine Werke sind aus dem prallen Leben geschöpft, eher Orientierungs- hilfen, als Flucht - also bester Lesestoff. 1935 in
Istanbul geboren, hatte Demir Özlü zunächst den Beruf eines Rechtsanwalts ergriffen, gehörte in den “wilden Jahren” der Türkei zu den politisch Aktiven, war Verteidiger prominenter, zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer und
selbst mit auf den Fahndunsglisten der Polizei. So hat er sich ins Exil begeben und in Stockholm niederge- lassen, wo auch seine schwedische Frau und seine
zwei Söhne leben. Doch mittlerweile ist er immer öfter in seiner geliebten Stadt Istanbul, schreibt in der Atmosphäre, die ihn am meisten inspiriert - wenn auch die Stadt sich sehr verändert hat und die historische Altstadt, die ihm seinerzeit Heimat bot, immer mehr dem Vergehen ausgeliefert ist. Seine literarische Entwicklung stand im Zeichen des französischen Existentialismus, zusammen mit Ferit Edgü und Güner Sümer gründete er nach der Rückkehr aus Paris nach Istanbul die Zeitschrift MAVI (Blau) und die gleich-
namige literarische Bewegung. Trotz der Kurzlebigkeit hat diese Zeitschrift eine bis heute nicht vergessene Reso- nanz gefunden, brachte ein erotisch geladenes Lebensgefühl ins Schrifttum der Großstadt.
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