Tuerkische Literatur - Literaturca Verlag
Bilge Karasu

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Ein intellektueller Warner in der türkischen Literatur, ein anspruchsvoller Literat Bilge Karasu wurde, nachdem er 1991 in den USA mit dem Pegasus-Preis als bester ausländischer Literat ausgezeichnet worden war, als der ”TÜRKISCHE KAFKA” bezeichnet und gefeiert. Als eine(n) zeitgenössische(n) Penelopé bezeichnete ihn die türkische Literaturkritikerin und Philosophin Füsun AKATLI. Doch wie immer, hinken Vergleiche: Er war unverwechselbar Bilge Karasu, der seiner ”Heimat Türkisch” geradezu leidenschaftlich verpflichtet und treu war, obwohl Türkisch weder seine Muttersprache, noch die einzige Sprache war, die er perfekt - auf einem hohen literarischen Niveau - beherrschte.

Die Diskussion in der türkischen Literatur, ob Bilge Karasu weltweit berühmt geworden wäre, wenn er Englisch oder eine andere ”Weltsprache” zum Schreiben benutzt hätte, entbehrt nicht einer bitteren Ironie und zwingt uns förmlich zu der Frage, ob er unbekannt blieb, weil er konsequent in türkischer Sprache schrieb? Bilge Karasu selbst betrachtete die Welt mit anderen Augen, Ruhm war kein Wertmaßstab, mit dem er Menschen oder Phänomene gemessen hätte. Er blieb bescheiden - und genial.
1930 in Istanbul geboren, bereitete sich Bilge Karasu als Jugendlicher auf eine Laufbahn als Konzertpianist vor. Ein merkwürdiges Ereignis - er musste seinen geliebten Kater Ferenc ins Tierheim geben - veranlasste ihn zu einer abrupten Sinneswandlung. Statt Musiker zu werden, studierte er Philosophie und wurde einer der wenigen türkischen Sprachphilosophen. Ab 1950 begann er in verschiedenen Literaturzeitschriften zu publizieren, zunächst Gedichte, dann Erzählungen. Als literarischer Übersetzer hat er sich ebenfalls einen Namen gemacht: aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen übertrug er anspruchsvolle Werke ins Türkische. Diese Autorenpalette reicht von Shakespeare bis Calvino.
Als sein Hauptwerk gilt der Roman Gece
(Die Nacht). Er selbst legte auf seine “Märchen” Göcmüs Kediler Bahcesi (Der Garten entschwundener Katzen, ebenfalls im Literaturca Verlag erschienen) großen Wert. In einer phantastischen Rahmenerzählungen sind Geschichten eingebettet, die in ihrem Inneren verbunden sind und eine geheimnisvolle Einheit bilden. Zwischen Traum und Realität schwebend verschwinden die Grenzen von Raum und Zeit...
Der Roman Kilavuz (Der Lotse) ist eine Kriminalgeschichte, die durch ihre Realität-, Erinnerung-, Traum- und Phantasiegrenzen verschleiernde Sprache ein Lesevergnügen besonderer Art bietet.
Eine Würdigung wurde Bilge Karasu durch den Pegasus Preis zuteil, der für die beste literarische Leistung außerhalb der USA der davorliegenden 10 Jahre verliehen wurde.
Das Große Werk, das er vorhatte zu schreiben, blieb leider unvollendet, lediglich Fragmente sind uns davon geblieben, die zudem posthum erschienen sind. Denn 1995 starb Karasu nach schwerer Krankheit in Ankara.

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