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Bilge Karasu selbst betrachtete die Welt mit anderen Augen, Ruhm war kein Wertmaßstab, mit dem er Menschen oder Phänomene gemessen hätte. Er blieb bescheiden - und genial. 1930 in Istanbul geboren, bereitete sich Bilge Karasu als Jugendlicher auf eine Laufbahn als Konzertpianist vor. Ein denkwürdiges Ereignis - er musste seinen geliebten Kater Ferenc ins Tierheim geben - veranlasste ihn zu einer abrupten Sinneswandlung. Statt Musiker zu werden, studierte er Philosophie und wurde einer der wenigen türkischen Sprachphilosophen. Ab 1950 begann er in verschiedenen Literaturzeitschriften zu publizieren, zunächst Gedichte, dann Erzählungen. Als literarischer Übersetzer hat er sich ebenfalls einen Namen gemacht: aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen übertrug er anspruchsvolle Werke ins Türkische. Diese Autorenpalette reicht von Shakespeare bis Calvino. Als sein Hauptwerk gilt der Roman Gece (Die Nacht). Er selbst legte auf seine “Märchen” Göçmüş Kediler Bahçesi (Der Garten entschwundener Katzen, ebenfalls im Literaturca Verlag erschienen) großen Wert. In einer phantastischen Rahmenerzählung sind Geschichten eingebettet, die in ihrem Inneren verbunden sind und eine mysteriöse Einheit bilden. Zwischen Traum und Realität schwebend verschwinden Grenzen... Der Roman Kılavuz (Der Lotse) ist wie eine Kriminalgeschichte aufgeaut, die durch ihre Realität-, Erinnerung-, Traum- und Phantasiegrenzen verschleiernden Sprache ein Lesevergnügen besonderer Art bietet. Eine Würdigung wurde Bilge Karasu durch den Pegasus Preis zuteil, der für die beste literarische Leistung außerhalb der USA der davorliegenden 10 Jahre verliehen wurde. Das Große Werk, das er vorhatte zu schreiben, blieb leider unvollendet, lediglich Fragmente sind uns davon geblieben, die zudem posthum erschienen sind. Denn 1995 starb Karasu nach schwerer Krankheit in Ankara.
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