
Am 22. März 1822 in Lofça geboren, stammte Ahmet Cevdet aus einer hoch gebildeten türkischen Familie. Nicht nur die Männer seiner Familie waren gebildete Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, auch seine Mutter, Ayşe Sümbül Hanım, hatte eine solide Ausbildung erhalten und war eine kultivierte Frau, die sich für Wissenschaften und Philosophie interessierte.
Ahmet Cevdet lernte zunächst in einer klassischen Religionsschule, sehnte sich aber nach der Bildung einer höheren Fachschulen in Istanbul. Sein außerordentlicher Fleiß ermöglichte es ihm, dieses Ziel zu erreichen und er erlangte eine bedeutende Stellung am Hof, wurde Direktor der Pädagogischen Hochschule (Darül-muallim) und mehrfach bekleidete er das Amt eines Ministers (verschiedene Ministerien. Die Schaffung bedeutender Institutionen dieser Zeit, pädagogischer und wissenschaftlicher Richtung, trug sein Handzeichen. Obwohl –oder weil er dem Großwesir Reşit Paşa treu zugetan war, litt er während des Krimkrieges stark unter dem Machtkampf der konkurrierenden und wechselnden Großwesiren Âli und Fuad Paşa. Die Schattenseite seiner Persönlichkeit war seine spätere unbedingte Treue zum mehr als streng herrschenden Sultan Abdülhamit (1876 - 1908), die ihn zu - als Schandtaten gewerteten - Aktionen verleitete (z.B. unmittelbare Beteiligung an der Verhaftung und/oder Verbannung von Schriftstellern).
Sein geistiges Werk umfasst eine Reihe neu orientierter Gesetzesbücher, als deren energischer Vorantreiber er galt, sowie über 30 Bände Übersetzungen historischer und wissenschaftlicher Art. Das von ihm verfasste Gesetzesbuch diente über Jahrzehnte als Gesetz des Osmanischen reiches. Sein bekanntes Geschichtswerk Tarih-i Cevdet (Cevdets Geschichte), die eine neue Sprache in diesen jungen Zweig der Wissenschaft einführte, gilt als seinerzeit richtungweisend.
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Ahmed Cevdet Paşa (1822 - 1895) © Literaturca
POLITIKER, HISTORIKER UND DICHTER
Er galt als einer der berühmtesten Staatsmännern und Historikern des Osmanischen Reiches, der einerseits die neue europäische Orientierung des Reformators Reşit Paşa guthieß und diesem treu ergeben war, zum anderen aber durch seine profunde islamische Bildung an Traditionen gebunden war. So vereinte er in sich ein Leben lang eine für spätere Zeiten typische, zu seiner Zeit bereits beginnende, leidvolle Doppelorientierung.