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In welchen Koordinaten wird in Deutschland und in Europa türkische Literatur wahrgenommen? Diese Frage ist im Zeitalter des “historical Engineering”, wenn sich “große” Nationen systematisch eine heroische Vergangenheit medial neu konstruieren, zu einer existentiellen Frage, zu einer Frage von kultureller Identität und “Sein oder Nichtsein”, die einem generös vergönnt wird - oder auch nicht. Unser Lesebuch arbeitet sich an der Linie der Eigenwahrnehmung türkischer Literaten entlang, die einerseits ihren Platz in der Welt bestimmen, andererseits ihre kulturelle Identität klar definieren.

Murat Gülsoy ist heute ein türkischer Künstler, der die Literaturszene seiner Heimat maßgeblich beeinflusst und ihr eine neuartige Orientierung bietet. Der heutige Großstadtmensch ist nämlich in der Türkei nicht viel anderes als in New York, Paris oder Wien. Überleben kann nur derjenige, der sich seiner Entitäten bewusst ist und seine Identität auf zuverlässigem Wissen basierend schützt. Sonst droht dem modernen Menschen ein Sein in “Massenartikelkulisse”, aus der man mit einem Schlag hinauskatapultiert wird - wie einige der Protagonisten in Gülsoys Erzählungen. Er hält uns allen den Spiegel der Moderne vor, in der wir uns erkennen, aber auch korrigieren können.

Rebellieren - aber wogegen? Diese Frage wird dem exzentrischen türkischen Dichter selten gestellt, denn er bringt in erster Linie ein Lebensgefühl zum Ausdruck, das heute immer mehr jungen Menschen eigen zu sein scheint: entfremdet und desintegriert zu sein. Dieses destruktive Lebensgefühl betrifft vermehrt bürgerliche Existenzen, die ihr Daseinsrecht vehement verteidigen möchten, ohne zu merken, dass ihre natürlichen Grenzen bereits längst überschritten sind. Kann kücük iskender neue Denkkategorien für sich und seinesgleichen generieren? Oder bleibt er im - zum Relikt werdenden - “Rebellieren” stecken?

Die große Kunst, sich und die Welt als “relative Realität” wahrzunehmen, Zeit und Raum zeitgemäß zu kategorisieren, beherrscht der türkische Dichter Ahmet Haşim geradezu perfekt. Er verfügt über die festen weltanschaulichen Grundlagen, um sich von Technik und Fortschritt nicht darüber hinwegtäuschen zu lassen, dass die - in diesem Fall deutsche - Gesellschaft auf eine völlig falsche Bahn geraten ist, und auf einen unausweichlich gemachten Krieg zumarschiert. Er dokumentiert in seinem Reisebericht einige Monate vor Hitlers Wahl und beweist, dass man die “große Katastrophe” sehr wohl schon 1932 erkennen konnte.

Einige der Erzählungen des jungen Autors Y.D. Bengi verfügen über eine ungeahnte Sprengkraft: Er verbindet als einer der ersten türkischen Literaten die vorhellenischen Kulturen Anatoliens, die schlechthin als die “Wiege der Menschheit” gewertet werden, mit der Alltagskultur der heutigen Türkei. Während die meisten “Koryphäen” dieser Wissensgebiete - europä-ische Archäologen - die Tatsache einer kulturellen Kontinuität kategorisch bestreiten, zeigt Bengi ironisch und unterhaltsam die Lebendigkeit vieler uralter Mythen in den anatolischen Sagen und in der Alltagskultur. In manchen Texten ahmt er zwar jene banale “phantastische Literatur” nach, die in angelsächsischen Gebieten so populär ist, doch im Kern vermittelt er Fakten aus Geschichte und Kultur.

Wenn man die Werke deutscher und türkischer Autorinnen gegenüberstellt, werden in erster Linie die soziologischen Unterschiede ins Auge fallen. Auf den zweiten Blick kann eine Differenzierung einsetzen und die Aufmerksamkeit richtet sich unweigerlich auf die Schreibkunst der Autorinnen. Einige von ihnen verfügen über einen schier unerschöpflich erscheinenden Wissenshinter-grund, während andere bemüht sind, aufzuklären und die Rechte der Frauen neu zu definieren. Beides sind berechtigte Anliegen, die Beachtung verdienen. Eine Begegnung auf Augenhöhe ist gerade unter Frauen notwendig und unausweichlich. In diesem Band unternimmt Rita Rosen, die Herausgeberin, diesen Versuch und läutet einen längst fälligen literarischen Anfang ein.

türkische Literatur im Literaturca Verlag